Gedenktafel für Karl Follen
In der Zeller Straße in Romrod erinnert eine Gedenktafel an den Freiheitskämpfer, Gelehrten und Turner Karl Theodor Christian Follen (* 1796 in Romrod, † 1840 auf dem Long-Island-Sund, USA). Sie befindet sich an der Stelle des Hauses Schlossblick, wo einstmals das Romröder Forsthaus stand, in dem Follen am 4. September 1796 geboren wurde. Die Gedenktafel (Großaufnahme) wurde vom Hessischen Turnverband gestiftet und im März 2022 aufgestellt.
Follens Eltern waren während der französischen Revolutionskriege aus Gießen nach Romrod geflohen. Auch später blieb Follen seinem Geburtsort verbunden und verbrachte hier gerne seine Ferien. Besonders der nahegelegene Ocherbach, an dem er als Kind viele Stunden verbrachte, blieb ihm in lebhafter Erinnerung.
Als junger Mann studierte Follen Rechtswissenschaften in Gießen und engagierte sich früh für politische Freiheit, die deutsche Einheit und gesellschaftliche Veränderungen. Er gehörte zu den führenden Köpfen der radikalen Burschenschaft „Gießener Schwarze“ (Wikipedia-Eintrag) und war ein Wegbereiter der Turnbewegung. Für ihn war das Turnen weit mehr als sportliche Betätigung: Es sollte junge Menschen zusammenbringen und zum politischen Handeln ermutigen. Seine Überzeugungen vertrat er mit großer Leidenschaft und rechtfertigte dabei auch Gewalt als Mittel des politischen Widerstands.

Nach seiner Promotion im Jahr 1818 ging Follen an die Universität Jena, wo er seine politischen Aktivitäten fortsetzte. Dort stand er in Verbindung mit dem Theologiestudenten Karl Ludwig Sand, der 1819 den Schriftsteller August von Kotzebue ermordete. Follen (Wikipedia-Eintrag) geriet daraufhin unter Verdacht, geistiger Mitverantwortlicher des Attentats zu sein. Die Tat führte zu einer massiven Verschärfung der politischen Verfolgung liberaler und nationaler Bewegungen. Mit den Karlsbader Beschlüssen von 1819 wurden Burschenschaften verboten sowie Presse- und Meinungsfreiheit erheblich eingeschränkt. Follen verlor seine Lehrberechtigung und sah sich gezwungen, Deutschland zu verlassen.
Seine Flucht führte ihn über Frankreich in die Schweiz, wo er zunächst in Chur unterrichtete und später als Professor an der Universität Basel lehrte. Doch auch dort blieb er wegen seiner politischen Aktivitäten unter Druck. Als Preußen seine Auslieferung verlangte, entschied sich Follen 1824 zur Auswanderung in die USA.
In seiner neuen Heimat wurde er der erste Professor für deutsche Literatur an der renommierten Harvard University. Zugleich engagierte er sich entschieden gegen die Sklaverei und für die Gleichberechtigung aller Menschen. Sein öffentlicher Einsatz für die Abschaffung der Sklaverei kostete ihn schließlich seine Professur. Später wirkte er auch als Prediger und setzte sich weiterhin für seine freiheitlichen Überzeugungen ein.

Am 13. Januar 1840 starb Karl Follen bei einem Schiffsbrand vor der amerikanischen Küste. Sein Leben war geprägt vom leidenschaftlichen Einsatz für Freiheit und Menschenrechte, aber auch von politischen Konflikten, Verfolgung und Exil.
Die Gedenktafel erinnert an einen außergewöhnlichen Sohn der Stadt Romrod, dessen Wirken weit über die Grenzen Deutschlands hinausreichte.