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Lesung mit Musik in der ehemaligen Synagoge über Louise Otto-Peters lockte Kulturinteressierte: „Demokratie – eine zerbrechliche Kostbarkeit“

Von Horst Blaschko

Schwarz-Rot-Gold ist höchst illegal, Deutschland gibt es (noch) nicht und in den Staaten des Deutschen Bundes herrschen Polizeiwillkür, Zensur und extreme soziale Ungleichheit. Es ist die Zeit des Vormärz, als Deutschland noch eine revolutionäre Idee war. Darum geht es in Anja Zimmers Roman „Ich habe Licht gebracht“ über Louise Otto-Peters, eine deutsche Revolutionärin. Den hat sie dieser Tage gemeinsam mit ihren musikalischen Begleitern im Rahmen einer Lesung mit Musik in der ehemaligen Synagoge in Romrod vorgestellt, zu welcher der Heimat- und Kulturverein Romrod eingeladen hatte.

Die ehemalige Synagoge in Romrod bildete den perfekten Rahmen für die Lesung von Anja Zimmer – begleitet vom Gesang von Erika Drogi-Haas mit ihrem klaren und ausdrucksvollen Sopran und dem Bariton und der Gitarre von Frank Gabian.

Louise Otto-Peters (auch Luise Otto-Peters, Pseudonyme Otto Stern, Malvine von Steinau; * 26. März 1819 in Meißen; † 13. März 1895 in Leipzig) war eine sozialkritische Schriftstellerin, Demokratin und Mitbegründerin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung, die sich mutig für Demokratie und Freiheit einsetzte.

Horst Blaschko bei der Begrüßung von Anja Zimmer, Erika Drogi-Haas und Frank Gabian (v.l.)

Der Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, Horst Blaschko, begrüßte die Anwesenden und ging mit einigen Worten auf Louise Otto-Peters in der heutigen Zeit ein. Er informierte über die zahlreichen Orte und Denkmäler für die Vorkämpferin für Freiheit und Demokratie, an die nicht nur in Leipzig und Meißen, sondern auch bundesweit erinnert wird. Außerdem wurde Louise Otto-Peters 1974 durch eine Sonderbriefmarke der damaligen Deutschen Bundespost geehrt – in einer Briefmarkenserie gemeinsam mit Helene Lange, Gertrud Bäumer und Rosa Luxemburg.


„Ich habe Licht gebracht!“, ruft die fünfjährige Louise Otto, als sie zum ersten Mal eines der neuen Schwefelhölzchen entzünden darf. „Licht bringen“ – dieser Vorsatz zieht sich durch Louises Leben wie ein roter Faden. Während viele von Freiheit träumen, herrschen in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts Polizeiwillkür, Zensur und extreme soziale Ungleichheit. Obwohl es streng verboten ist, Missstände auch nur anzusprechen, wirft Louise in ihren politischen Gedichten und Artikeln immer wieder Schlaglichter auf die entsetzlichen Lebensumstände des Industrieproletariats. Mit ihren Romanen avanciert sie bald zu einer der bekanntesten Autorinnen ihrer Zeit und wird als »Lerche des Völkerfrühlings« gefeiert.

Hoffnung auf Demokratie bringt die bürgerliche Revolution, die im März 1848 ihren Anfang nimmt. In dieser Aufbruchstimmung geht Louise allein auf Reisen, für die damalige Zeit eine Ungeheuerlichkeit, als Frau allein unterwegs zu sein. Aber Louise schafft für Frauen ein Netzwerk der Solidarität und gründet die erste Frauenzeitung Deutschlands. Einen Unterstützer findet sie in dem Revolutionär August Peters, mit dem sie bald mehr als eine Freundschaft verbindet. Doch die Gegenrevolution lässt nicht lange auf sich warten: Als der Dresdener Maiaufstand niedergeschlagen wird, sieht sich Louise Bespitzelungen und Verhören ausgesetzt. Ihre Welt verfinstert sich vollends, als sie erfährt, dass August Peters Gefangener der preußischen Armee ist…

Anja Zimmer beschreibt das Leben dieser außergewöhnlichen Frau in einem spannenden Roman und zeigt, dass viele von Louises Forderungen nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben. Und sie macht in ihrem Roman bewusst, wie heldenhaft unsere Vorfahrinnen und Vorfahren für Demokratie gekämpft und dabei Kerkerhaft und Todesstrafe riskiert haben.

Umrahmt wurde die Lesung von Protest- und Spottliedern des Vormärz. Herausragend dabei die Lieder „Ob wir rote gelbe Kragen, Helme oder Hüte tragen“ von Adalbert Heinrich über den Zusammenschluss der Volksgruppen im Hinblick auf eine einige Nation oder die Vertonung des Gedichtes „Trotz alledem!“ aus der Feder von Ferdinand Freiligrath. Den Abschluss mit eindeutigem Bezug zur heutigen Zeit bildete das Lied „Dear Mr. President“ von Pink aus den 2000er Jahren. Die Gruppe um Anja Zimmer betonte, das Demokratie eine zerbrechliche Kostbarkeit sei. Es sei gerade in der heutigen Zeit wichtig, sich für Demokratie und Freiheit aller Menschen und gegen autoritäre Politik von oben und reaktionäres Gedankengut einzusetzen. Das Publikum bedankte sich mit viel Applaus.

Foto oben: Buchautorin Anja Zimmer (links) sowie ihre musikalische Begleitung, Erika Drogi-Haas und Frank Gabian, erfreuten die Besucher in der ehemaligen Synagoge in Romrod

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