Wachgeküsst und sattgegessen: Der große Dorfbrunch in Nieder-Breidenbach am Faschingssonntag
Von Eckhard Baumgarten
Am Faschingssonntag ereignete sich im beschaulichen Nieder-Breidenbach ein Vorfall, der unter dem harmlosen Codenamen „Dorfbrunch“ firmierte. Das ambitionierte Ziel des Dorfvereins: das soziale Miteinander von innen heraus „wachküssen“. Ein romantischer Plan, der jedoch prompt an der harten Realität scheiterte – denn die Nieder-Breidenbacher sind, was ihren Dorfverein angeht, nicht nur hellwach, sondern vermutlich bereits seit den frühen Morgenstunden in den Startlöchern.
Knapp die Hälfte der Einwohner folgte dem Ruf der Initiatoren. Hätte man noch mehr Leute mobilisiert, wäre das Dorf aufgrund der einseitigen Gewichtsverlagerung in Richtung Buffet vermutlich in eine bedrohliche Schieflage geraten. Der Versuch, das Dorfleben „wachzuküssen“, erwies sich dabei als klassische Überqualifikation. Die Gemeinschaft war bereits so lebendig, dass der metaphorische Kuss eher wie ein sanftes Anstupsen bei jemandem wirkte, der gerade einen Marathon läuft. Man war bereits wach, man war hungrig und vor allem: man war bereit für den Verein.
Das Buffet, für das jeder Teilnehmer eine kulinarische Spende beisteuerte, nahm Ausmaße an, die sonst nur bei Staatsbanketten üblich sind. Die Vielfalt auf dem Tisch war so extrem, dass die Auswahl für den Durchschnittsbürger zur existenziellen Krise geriet. Von kreativen Eigenkreationen bis hin zu den unverzichtbaren Klassikern wie dem herzhaften Schwartemagen war alles vertreten. Manche Gäste quittierten dieses Überangebot mit einem konsequenten „Durchprobieren“ bis an die Belastungsgrenze der eigenen Garderobe.
Am Ende blieb die Erkenntnis: Wer so einen engagierten Dorfverein und solche Nachbarn hat, braucht keinen Wecker und erst recht keinen Kuss. Ein prall gefüllter Tisch und eine funktionierende Gemeinschaft reichen völlig aus, um ein Dorf direkt in einen Zustand glückseliger Sättigung zu versetzen. Nieder-Breidenbach schläft nicht – es verdaut nur gerade.

