Am Backhaus Romrod raucht wieder der Schornstein – Arbeitsgemeinschaft sucht noch Gleichgesinnte
Es ist ein unscheinbares Häuschen, das da in der Mittelgasse in Romrod steht. Sechs Meter lang, dreieinhalb Meter breit. Vor gut 70 Jahren wurde es gebaut, und den Zahn der Zeit sieht man ihm durchaus auch an. Innendrin aber wurde schon was gemacht: vor drei Jahren wurde mit Fördermitteln der Ofen erneuert – und selbiger wurde am vergangenen Wochenende erfolgreich angefeuert. Romrod hat wieder ein Backhaus.
Bis in die 1960er Jahre wurde im Backhaus gebacken
Bis in die 1950er/1960er Jahre hinein versorgten sich viele Haushalte noch weitgehend selbst. „Kolonialwarenläden“, wie es einen in Romrod beispielsweise in der heutigen Apotheke gab, boten zwar Kaffee, Zucker, Reis, Tabak, Reinigungsmittel und andere Waren an, auch gab es im späteren „Café Krumm“ am Ocherbach schon vor dem Zweiten Weltkrieg einen „Tante Emma-Laden“ und Bäcker im Dorf, doch das gemeinschaftliche Backen von Brot und Kuchen war tief im Dorfleben verwurzelt.
Die praktische Nutzung von Backhäusern stand im Vordergrund: Durch das „Auslagern“ des Backofens in ein Backhaus wurde das Risiko von gefährlichen Hausbränden minimiert. Zudem war Holz ein wertvoller und begehrter Brennstoff; die gemeinsame Ofennutzung senkte die Kosten für das Backen von Brot und Kuchen. Aber klar, über den praktischen Nutzen hinaus fungierten Backhäuser als soziale Knotenpunkte für den Austausch von Neuigkeiten.
Im Ortsteil Romrod gab es dereinst vier Backhäuser
Der wirtschaftliche Aufschwung der Nachkriegszeit und die Verbreitung elektrischer Herde machten das gemeinschaftliche Backen im Laufe der Jahre aber zunehmend überflüssig – viele Backhäuser wurden abgerissen oder stillgelegt. Übrigens auch in Romrod, wo es in den 1960er Jahren noch vier Backhäuser gab. In der Herrngasse/Ecke Ringstraße befindet sich noch ein zweites Backhaus, deutlich älter als das in der Mittelgasse, erbaut noch im 19. Jahrhundert, das ist aber nicht mehr betriebsbereit und kann nicht mehr in Betrieb genommen werden.

Zu Beginn: Fragen über Fragen
Wie nimmt man ein altes Backhaus in Betrieb? Wie feuert man einen neuen Ofen an, der über zwei Meter tief und fast zwei Meter breit ist? Wie lange muss man ein Brot backen und bei welcher Temperatur? Schiebt man erst das Brot ein, dann den Salzekuchen – oder umgekehrt? Wie viel Holz braucht man, um die Schamottsteine auf Temperatur zu bringen? Und wie schnell fällt die Temperatur? Welche Geräte benötigen wir? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigten sich einige interessierte Personen, die sich im Januar dieses Jahres erstmals im Schlossmuseum trafen, um das „Projekt Backhaus“ in Angriff zu nehmen. Treiber dabei: Karin und Jens Zulauf vom Heimat- und Kulturverein Romrod und Ortsvorsteher Fabian Musch.
Nach dem Treffen im Januar war klar: Eine „Arbeitsgruppe Backhaus“ soll sich gründen. Ziel: das Backhaus in der Mittelgasse erhalten, nutzen und pflegen – und natürlich auch Veranstaltungen durchzuführen, wie es in Zell und insbesondere in Ober-Breidenbach seitens des Obst- und Gartenbauvereins schon „vorgelebt“ wird.
Probieren geht über studieren
Wertvolle Ratschläge und Tipps wurden allerorten eingeholt, letztlich aber stand – wie immer – fest: Probieren geht über studieren! Und so wurde am Freitagabend vergangener Woche der Backofen erstmals angeheizt, am Samstagmorgen wurde der Ofen ordentlich auf Temperatur gebracht (über 350 Grad Celsius!), am Mittag wurde dann das erste Blech Salzekuchen „eingeschossen“. Und wie das duftete!
Der erfolgreichen Salzekuchen-Premiere folgten rund ein Dutzend Brotlaibe, deren Vorbereitung dankenswerterweise vornehmlich Berthold Musch, gelernter Bäcker, mit selbst angesetztem Sauerteig übernommen hatte. Wie verdoppelt man einen Sauerteig? Warum wird ein Brot mit Wasser eingerieben? Warum wird mal mit der Mehlseite oben und mal unten gebacken? Warum klopft man auf ein Brot, wenn es aus dem Ofen kommt? Warum muss das Brot „pünktlich“ in den Ofen und kann nicht länger stehen bleiben? Diese und viele andere Fragen beantworte Berthold Musch den neugierigen Umstehenden.
Interessierte gesucht, die mitmachen möchten
Es wurde gearbeitet, es wurde genossen: Duftender Salzekuchen, herrlich frisches Brot, buttriger Rhabarberkuchen. Dazu eine Limo, ein Bier. Schwätzen, neue Leute Kennenlernen. Ein tolles Ergebnis für das erste Backen im „neuen“ Backhaus in Romrod! Klar war aber auch: Für einen dauerhaften und größeren Betrieb braucht man mehr Leute. Wer mitmachen möchte (ganz egal, wie alt Du bist!), meldet sich bei Jens Zulauf (0171-2690040) oder Fabian Musch (0151-42503437). Das „Team Backhaus“ verspricht: Es macht Spaß – und es ist wirklich ein sozialer Knotenpunkt!














