Nabu rettet über 1.100 Kröten und Molche zwischen Romrod und Strebendorf – Aufbau des Schutzzauns in den nächsten Jahren mangels Helfer gefährdet
Von Hans Jürgen Rupp
Zahlreiche ehrenamtliche Naturschützer aus den Reihen von NABU und BUND, aus Alsfeld, Romrod, Schwalmtal und Lauterbach, waren auch in diesem Jahr wieder entlang der Straße von Romrod nach Strebendorf zum Schutz unserer heimischen Amphibien unterwegs. Dafür wurde auf einer Länge von 500 Metern bereits Mitte Februar ein Schutzzaun für Erdkröten und Molche installiert und mit 28 Fangeimern ausgestattet. Das Eingraben des Zaunes und der Eimer an der schrägen, von Baumwurzeln durchsetzten Böschung verlangte den Helfern wieder höchsten körperlichen Einsatz ab. Dabei kann im elften Jahr dieser Maßnahme schon von einer gewissen Routine der angestammten Krötenschützer ausgegangen werden.
Schutzzaun bewahrt Amphibien vor Straßentod
Die Amphibien wandern ab Nachttemperaturen von 6 Grad und bevorzugt bei feuchter Witterung in den Nachtstunden von ihren Winterquartieren im Wald zu den Laichgewässern entlang der Antrifft. Dort legen die Erdkrötenweibchen, die häufig auf dem Weg dorthin die Männchen bereits „huckepack“ tragen, ihre Laichschnüre mit bis zu 4000 Eiern ab. Aus diesen schlüpfen nach 2-4 Wochen, je nach Wassertemperatur, die Kaulquappen. Etwa ab Mitte Juni verlassen diese als 1 Zentimeter große Jungkröten das Wasser und starten ins Landleben.

Der lange Schutzzaun mit den auf der Waldseite eingegrabenen Fangeimern soll das Gros der im Frühjahr wandernden Amphibienpopulation vor dem Straßentod bewahren. Weit vor den natürlichen Feinden, wie Waschbär und anderen Beutegreifern, ist der Straßenverkehr der schlimmste Feind unserer wandernden heimischen Amphibien zu dieser Zeit. Auch bei gefühlt nur geringem Verkehr überlebt ein Großteil der Kröten und Molche die Überquerung der Straße nicht. Nicht nur das direkte Überfahren mit den Reifen, sondern auch ein Überrollen zwischen den Reifen mit mehr als 30 km/h führt regelmäßig zum Tod der Tiere, weil der hohe Luftdruck innere Organe zerstört.
Zum Schutz der Tiere werden die Eimer zweimal täglich in den späten Abend- bzw. frühen Morgenstunden kontrolliert, um den Amphibien eine gefahrlose Querung der Straße mittels menschlicher Transporthilfe zu ermöglichen. Hierzu werden die Kröten in Transporteimern gesammelt und in Gewässernähe wieder freigelassen.
Mehr Kröten, weniger Molche
Auch die diesjährige Saison war wieder ein voller Erfolg für den Amphibienschutz: Mit etwa 300 geleisteten ehrenamtlichen Arbeitsstunden konnten exakt 1.118 Tiere vor dem Straßentod gerettet werden. Erfreulich war dabei die zu den Vorjahren wieder leicht angestiegene Anzahl der Erdkröten (1.042). Mit nur 67 Molchen der Arten Berg- und Teichmolch setzt sich leider der Negativtrend dieser Arten fort. Erstmals dagegen fingen sich auch 9 Wasserfrösche in den Eimern.

Am 22. April waren dann nach zwei weiteren Arbeitseinsätzen alle Utensilien wieder gereinigt und getrocknet für ihren Einsatz im nächsten Jahr in einer Scheune in Strebendorf verstaut. Nach getaner Arbeit traf man sich zum Abschluss zu einer gemeinsamen Grillfeier an der Baumgartskopfhütte und diskutierte intensiv die Fortsetzung der Krötensaison im Jahr 2027.
Neue Helfer werden dringend gesucht
Ohne zusätzliche, neue Helfer ist der zeitintensive ehrenamtliche Einsatz kaum noch zu stemmen. Die ungünstige Altersstruktur und zunehmende gesundheitliche Einschränkungen bedingen eine Konzentration der Hauptlasten auf die wenigen, zeitlich flexiblen Helfer. Überlegt wurde, wie man vor allem jüngere Menschen erreichen und motivieren kann, etwas Freizeit in den Naturschutz vor der Haustür zu investieren.
Besonders enttäuscht sind die Naturschutzaktiven eigenen Angaben zufolge von den zuständigen Behörden. Außer einem allgemeinem Appell in der Presse und Schildern an den Wanderstrecken gebe es keinerlei Anstrengungen, die heimischen Amphibienbestände zu erhalten. Weder die Untere Naturschutzbehörde, noch die Straßenverkehrsbehörde oder Hessen Mobil würden, trotz zahlreicher Bitten und Anträge, Unterstützung leisten
Wer mithelfen möchte, kann sich an den Vorsitzenden der NABU-Gruppe Alsfeld/Romrod/Schwalmtal, Tilman Oeppert, wenden: tilman.oeppert@t-online.de oder 0171-3372722.