Abriss des Café Krumm: Ein Stück Ortsgeschichte geht – und schafft Platz für Neues in Romrod
Der „Lost Place Café Krumm“ in der Ortsmitte Romrods ist Geschichte: Anfang des Jahres hatte die VR Verbundbank (ehemals VR Bank Hessenland) den Abriss des seit vielen Jahren leerstehenden Gebäudes in Auftrag gegeben – seit dieser Woche sind die Mauern niedergelegt, nun wird noch das Fundament entfernt. Das Areal hatte die VR Verbundbank bereits vor einiger Zeit erworben, um – gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Grundstück der Bank (Standort Geldautomat) – eine zukunftsfähige Entwicklung zu ermöglichen. Mit dem Abriss (Fotoserie hier) wird nun die Grundlage geschaffen, beide Flächen zusammenzuführen. Die Bank bekräftigt weiterhin ihr Interesse an einer Neubau- sowie Wohn- und/oder Geschäftsgebäudeentwicklung im Ortszentrum.
Bei einem Vor-Ort-Termin verschafften sich Andreas Opfer, Mitarbeiter der Projektsteuerung im Immobilienmanagement der VR Verbundbank, Bürgermeister Hauke Schmehl sowie der der Vorsitzende der CDU-FWG-Faktion, Kai Habermann, einen Eindruck vom Fortschritt der Arbeiten. Andreas Opfer dankte der Stadt Romrod sowie dem Kommunalparlament ausdrücklich für die konstruktive Zusammenarbeit und hob hervor, dass deren Unterstützung maßgeblich zum Gelingen des Abrissprojekts beigetragen habe. Insbesondere die Initiative des Bürgermeisters und der CDU/FWG-Fraktion habe den Abbruch entscheidend vorangebracht. In Kürze wird das Gebäude vollständig beseitigt sein und den Weg für eine neue städtebauliche Entwicklung freimachen.

Bürgermeister Schmehl und Fraktionsvorsitzender Habermann wiederum betonten ihren Dank an die VR Bank und die Projektverantwortlichen. Trotz anfänglicher Herausforderungen sei es gelungen, den Abriss erfolgreich umzusetzen. Die Stadt sieht darin eine wichtige Chance für eine positive Weiterentwicklung des Ortskerns.
Über 200 Jahre: Wohnhaus, Tante Emma-Laden, SB-Laden, Café und Pension, Asylbewerberwohnheim, Lost Place
Das nun abgerissene Gebäude blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück, wie Jens Zulauf vom Heimat- und Kulturverein zu berichten weiß. Der Altbau gehörte zu den ältesten erhaltenen Häusern Romrods und ist bereits vor dem Jahr 1800 belegt. Bis ins späte 19. Jahrhundert diente er als Wohnsitz einer alteingesessenen Schmiede-Familie.
Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg entstand im Anbau zwischen Wohnhaus und Nachbargebäude ein klassischer „Tante-Emma-Laden“, betrieben vom damaligen landwirtschaftlichen Konsumverein. Dieser prägte auch die Bezeichnung „Konsum“, unter der das Gebäude und seine Bewohner im Ort bekannt waren.

Später wurde im rückwärtigen Bereich durch den Umbau einer ehemaligen Scheune einer der ersten Selbstbedienungsläden der Region eingerichtet. Zeitzeugen berichten von einem außergewöhnlich breiten Sortiment – nahezu alles konnte dort beschafft werden, was dem Geschäft große Beliebtheit und Zuspruch einbrachte.


Mit dem Tod des Betreibers Mitte der 1970er Jahre und dem Ende des Konsumvereins ging diese Ära zu Ende. Gleichzeitig eröffnete sich in Romrod eine neue Phase der Entwicklung: Die Stadt etablierte sich als Erholungsort, und aus dem Gebäude entstand nach umfangreichen Umbauten das „Café Krumm“. Neben gastronomischen Angeboten wurden auch Fremdenzimmer betrieben. Das Café erfreute sich insbesondere bei der örtlichen Bevölkerung großer Beliebtheit.

Diese Nutzung bestand bis in die späten 1980er Jahre. Danach wurde das Gebäude als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt. Traurige Bekanntheit erlangte das Anwesen in diesem Zusammenhang im Jahr 1994 durch einen Brandanschlag, der überregional für Aufsehen sorgte. In der Folge wurde die Nutzung endgültig aufgegeben, und das Gebäude entwickelte sich über die Jahre hinweg zu einem sogenannten „Lost Place“.
In den 2000er Jahren gab es noch einmal Bestrebungen, den Gebäudekomplex als Mehrgenerationenhaus neu zu beleben. Diese Pläne wurden jedoch nicht umgesetzt, das Mehrgenerationenhaus anderweitig realisiert. Erst mit dem Erwerb durch die VR Bank im Jahr 2022 wurde der Grundstein für die jetzige Entwicklung gelegt.
Mit dem Abriss des Café Krumm endet ein Kapitel der Romröder Stadtgeschichte – und gleichzeitig beginnt die Chance auf eine neue, zukunftsorientierte Nutzung des Areals im Herzen der Stadt.
(Fotos: Jens Zulauf, Thomas Liebau)