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Stadt Romrod Vogelsbergkreis

03.08.2018

Ministerin zu Besuch: Wald ist ein Multitalent

Ministerin Priska Hinz stellte im Wald bei Romrod die neue Richtlinie für den Staatswald vor, dabei geht es neben dem Rohstoff Holz auch um Artenvielfalt und Klimaschutz.

Im Schatten alter Buchen über den Schutz der seltenen Bechsteinfledermaus und des scheuen Schwarzstorchs sprechen – der Besuch beim Forstamt Romrod am Dienstag war ein Labsal für Umweltministerin Priska Hinz. Zwischen Ortsterminen bei Landwirten und zu Sozialwohnungen galt der Aufenthalt im Revier Zell der Artenvielfalt, die stärker gewürdigt wird. Die neue Richtlinie für die hessischen Förster sieht mehr Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden, größere Achtung der Vielfalt von Tieren und Pflanzen sowie Klimaschutzziele vor. So ist in der Bewirtschaftungsrichtlinie RiBeS die Biodiversität als Ziel aufgenommen worden, erläuterte Hinz. Der Wald dient der Erholung der Menschen, bewahrt seltene Pflanzen und Tiere, liefert aber auch Holz für Möbel und wird zunehmend zur Bildungsstätte für das Naturerleben. Neu aufgenommene Ziele für die Forstbeamten sind Bewahrung der Biodiversität, also Artenvielfalt, Vielfalt der Ökosysteme und genetische Vielfalt. Zudem ist der Klimaschutz nun in der Richtlinie verankert: »Der Wald ist ein Kohlendioxid-Senker«, betonte Hinz. Bäume sorgen für gute Luft und viele Quellen entspringen dort.

Der Leiter des Landesbetriebs Hessen Forst, Michael Gerst, erläuterte, dass man in zeiten ansteigender Temperaturen auf robustere Tannen statt der Fichten setzt. Eine besondere Herausforderung sei das Verhältnis von Artenschutz und Jagd. Es gehe darum, wie groß Wildbestände sein dürfen, »um vielfältige Wälder zu erhalten«. Bei der Erstellung der RiBeS gab es eine Zusammenarbeit von Hessen-Forst mit Vertretern von Naturschutz- und Jagdverbänden. Auch künftig will man die Menschen mit einbinden, denen ein gesunder Wald am Herzen liegt. Rudolf Fippl vom Umweltverband HGON sicherte die weitere Zusammenarbeit von Naturschützern bei der Diskussion um die Ausrichtung von Forstarbeit zu. Er freute sich, dass Artenvielfalt und Erholungsfunktion des Waldes einen höheren Stellenwert genießen. So stimme man sich zum Schutz von Horsten für Großvögel besser ab.

Försterin Claudia Mävers als Vertreterin der Gewerkschaft IG BAU lobte die Annäherung von Hessen Forst an die Verbände. Das sei ein Beitrag gegen Politikverdrossenheit, wenn engagierte Bürger mitbestimmen.

Zudem sei es wichtig, dass die Richtlinie Dumpinglöhne bei Lohnunternehmern verbietet. Bürgermeisterin Dr. Birgit Richtberg erinnerte an zunehmende Wildschäden, die dazu führten, dass Jagdgenossenschaften zerbrechen. Sie kritisierte, dass die meisten Kommunen nicht von der Windkraft im Staatswald profitieren.

Forstamtsleiter Hans-Jürgen Rupp verwies darauf, dass nunmehr der komplette Staatswald nach der FSC-Norm bewirtschaftet wird. Das bedeutet mehr Flächen, die nicht bewirtschaftet werden. Allein im Revier Zell stehen 1565 Habitatbäume, das sind alte Bäume, in deren Höhlen Fledermäuse leben können. Besonders geschützt werden im Bereich des Forstamts Schwarzstörche und 200 bis 300 Bechsteinfledermäuse.