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Stadt Romrod Vogelsbergkreis

Zeitzeugenbericht

Im Rahmen des Rheinbundes mussten auch Romröder Soldaten für die Interessen Kaiser Napoleons in seine zahlreichen Kriege ziehen.
Nachfolgend berichtet ein verwundeter Romröder Leutnant des hessischen Leibgarderegiments der Division Saint Cyr über die Schlacht von Wagram und seine dortige Verwundung an seine Frau.
Zur Historie:

5. Koalitionskrieg

Österreich hatte seit 1808 aufgerüstet und eine Heeresreform eingeleitet. Es fühlte sich nun stark genug, um gegen Frankreich anzutreten und erklärte ihm den Krieg. Kaiser Napoleon besetzte daraufhin im Mai 1809 Wien und versuchte nun bei Aspern die Donau zu überschreiten und die fliehenden Österreicher zu verfolgen.

In der Nacht zum 21.Mai 1809 gelang es den französischen Truppen eine Brücke über die Donau zu schlagen unter Zuhilfenahme der Insel Lobau im Hauptarm der Donau. In der nun folgenden 2-tägigen Schlacht gelang es weder Kaiser Napoleon, noch seinen Marschällen Massena, Bessieres oder Lannes die österreichische Armee des Erzherzogs Karl zu schlagen.

Aufgrund von Versorgungsschwierigkeiten mussten sich die Franzosen sogar geschlagen geben und sich am 22.Mai 1809 auf die Insel Lobau und das Westufer der Donau zurückziehen.

Sechs Wochen nach dieser verlorenen Schlacht bei Aspern versuchte Napoleon erneut sein Glück, er wollte sein gesunkenes Ansehen wiederherstellen. In der Gewitternacht vom 04. auf den 5. Juli setzten die Franzosen über die Donau und brachen aus der Lobau hervor. 180.000 Mann marschierten den 120.000 Österreichern unter Erzherzog Carl entgegen, welche bei Wagram Stellung bezogen hatten.

In den Abendstunden des 5. Juli gingen die Franzosen zum Sturmangriff auf den Wagramer Frontabschnitt über. Das Kampfesglück wechselte ständig. Bei Markgrafneusiedl kam es zur Entscheidung. Der Entsatz unter Erzherzog Johann kam zu spät. Die Österreicher zogen am Nachmittag des 6. Juli 1809 ab und gaben sich geschlagen.

Der Grenadier schreibt:

Lazareth Ebersdorf, 9 Juli 1809

„Auf dem Rücken liegend, und ein Mantelsäckchen statt des Schreibtisches auf dem Leib, in solcher Lage lässt sichs nicht gut schreiben, mithin erwarte diesmal keinen langen Brief von mir. Nur kurz will ich Dir die Geschichte dieses merkwürdigen Tages schreiben. Den 4.ten abends um 5 Uhr bekamen wir Befehl uns marschfertig zu halten und ungefähr um 7 Uhr marschierten wir an das Ufer der Donau, wo die Brücke zum Übergang geschlagen wurde. Des Nachts warfen die Österreicher viele Granaten auf die Insel. Den 5.ten morgens 5 Uhr gingen wir über die Brücke, wo auch die Schlacht ihren Anfang nahm. Den ganzen Tag über kamen wir nicht ins Feuer, sondern waren immer Reserve, hingegen den 2.ten Tag kamen wir desto stärker hinein. Morgens ungefähr um 9 Uhr mussten wir, unterstützt von einer sächsischen Batterie eine österreichische Batterie erstürmen. Unter ständigen Avance Rufen stürmte unsere Division in geschlossenen Kolonnen auf die Kanonen ein, allein vor den Kanonen empfingen uns 2 öst. Karees und einige Regimenter Landwehr und 2 Eskadrons Husaren. Wir wehrten uns tapfer und allein durch das Stürmen und Kanonenfeuer in Unordnung gebracht, mussten wir endlich retirieren. Als die Kol (onne) retirierte, wollte ich meine Leute aufhalten, allein ein Öst(reicher) lohnte mir dafür, durch einen Flintenschuss, welcher am Schienbein durchging. Zum Glück ist der Knochen nicht entzwei, sondern blos gestreift. Ich versuchte zurückzulaufen, allein vergebliche Mühe. Nachdem ich ungefähr 50 Schritte geschlappt war, fiel ich hin. Die Öst(reicher) fielen sogleich über mich her, plünderten und misshandelten mich. Zum Glück stand bei einem dieser Regimenter der Lieu(tnant) Hofmann aus Darmstadt, der voriges Jahr zu Gießen war. Als dieser mich erkannte, fiel er mir um den Hals, küsste mich und gab mich für seinen Bruder aus, und gab mir einen Mann mit, welcher mich zurück in Gefangenschaft bringen musste. Wäre dieser brave Mensch nicht gekommen, so hätte mich die Landwehr Tod geschlagen oder gestochen. Denn wenigstens 30 Bajonette und Kolben drohten mir den Tod. Ich ging zurück mit einem Östreicher in ein öst. Lazareth. Den Abend siegten die Franzosen wieder und eroberten das Lazareth. So war ich den wieder frey. Ich lies mich durch österreichische Gefangene in ein französisches Lazareth bringen. Den anderen Tag fuhr ich auf einem Wagen zurück in ein anderes Lazareth, und den nämlichen Abend um 6 Uhr mussten mich 6 östr. Gefangene auf einem Wagen bis hierher bringen, wo ich dann den anderen Tag, als heute um 5 Uhr hier ankam. Dies meine Geschichte dieser Tage. Meine Wunde schmerzt noch zwar, und ich bin nicht imstande zu gehen, allein sie ist nicht gefährlich, und ich hoffe bald wieder freygestellt zu seyn. Mein Vater ist auch gesund. Unser Korps steht auch 10 Stunden von hier. Die östr. Armee ist in voller Retirade. Wir haben schon viele Leute verloren. Man zählt allein von uns Hessen 32 Opfer, theils blessiert, theils Tod, theils vermisst.“

Georg