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Stadt Romrod Vogelsbergkreis

Schloss Romrod und die Geschichte Romrods

An der großen Heerstraße, die von Gießen über Grünberg nach Niederhessen führt und die den Namen „die Straße durch die kurzen Hessen“ trägt, liegt an der Antrift das Städtchen Romrod, einst der Sitz eines mächtigen und angesehenen Adelsgeschlechtes und später der Lieblingsaufenthalt der hessischen Fürsten.
Über die Gründung der Burg und ihre ältesten Besitzer herrscht völliges Dunkel. Aus dem Umstande jedoch, dass Talburgen, wenigstens in Mitteldeutschland, gewöhnlich in bereits bewohnten Orten angelegt wurden, dürfen wir folgern, dass dies auch bei Romrod der Fall sein dürfte.

Der Name Romrod erklärt sich aus der alten Schreibweise „Rumerode“. Der erste Teil des Namens „Rume“ bedeutet soviel wie Räumen, bzw. einen freien Platz schaffen. Also ist Romrod eine Rodesiedlung, welche auf einem dafür gerodeten Platz gegründet wurde.

Die Ausgrabungsergebnisse und Funde weisen auf eine mögliche Entstehung der Burg schon im 11. Jahrhundert hin, jedenfalls wurde auf dem dadurch entstandenen Platz schon früh, vielleicht in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, die alte Wasserburg erbaut. Der Platz, an welchem die Burg errichtet wurde, erklärt sich aus der Kreuzung zweier wichtiger Wege. Zum einen der sog. Diebsweg

(d.h. Diotweg bedeutet Volksweg) und zu anderen die Heerstraße durch die „kurzen Hessen“.

Der erste aus dem adeligen Geschlecht derer von Romrod bekannte Ritter ist Ludwig, der im Jahre 1197 als Zeuge einer Urkunde der Abtei Fulda auftritt.

Ihm folgen mehrere bedeutende Herren von Romrod wie z.B. Heinrich von Romrod, welcher das Amt des hessischen Marschalls innehatte oder auch Hermann von Romrod, Komtur des Johanniterordens zu Grebenau.

Nach diesen bedeutenden Fürsten erfolgte der Niedergang des Romröder Adelsgeschlechtes im 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts durch Erbteilungen, Schenkungen und übermäßige Beanspruchung ihres Besitzes. Irgendwann Ende des 14.Jahrhunderts wurde schließlich Schloss Romrod an die Landgrafen Otto und Heinrich von Hessen verkauft. Entgültig in Besitz der hessischen Landgrafen übergegangen sein muss Romrod vor 1408, da aus dem Jahre 1408 der erste für Romrod ausgestellte Freiheitsbrief bekannt ist.

Das Schloss diente dem Landesherrn als Übernachtungsplatz und besonders als Jagdaufenthalt, da die Wälder um Romrod einen besonderen Wildreichtum aufwiesen. Ab diesen Zeitpunkt wurde aus dem Schloss Romrod ein Jagdschloss der hessischen Landgrafen. Besonders der bedeutendste Landgraf Hessens, Philipp der Großmütige machte Romrod zu einer kleinen Residenz.

Nach dem Tod Philipps des Großmütigen (1567) trat Landgraf Ludwig IV. von Marburg (1567-1604) sein Erbe als Schlossherrvon Romrod an. In seine Regierungszeit fällt ein weiterer Ausbau des Romröder Schlosses (um ca. 1578). Sein Tod 1604 lies Romrod an Ludwig V. (1596-1626)aus dem Hause Hessen-Darmstadt fallen. In seine Regierungszeit fällt der Ausbruch des 30 jährigen Krieges,

welcher in Hessen besonders stark wütete. Dies ergibt sich daraus, dass das nördlich von Alsfeld gelegene Gebiet zum KurfürstentumHessen-Kassel gehörte, welches aufSeiten der Protestantischen Union stand, während Hessen-Darmstadt, obwohl lutherisch, auf Seiten des Habsburgischen Kaisers stand. Neben den Schrecken des Krieges wurde Romrod dann von einem weiteren Schrecken heimgesucht: der Pest !1630,1633 und 1635 wütete die Pest auch in Romrod und forderte zahlreiche Opfer.

Lange Jahre dauerte es, bis sich Stadt und Schloss wieder von den Verwüstungen erholen konnten.

Die Einführung der Fuchs- und Paforcejagdenliesen das Jagdschloss Romrod als zu klein und unmodern erscheinen, daher wurde der Jagdlager 1721/22 in den Göringer Grund („Jägertal“) erbaut und das Schloss verfiel weiter.

Ein weiterer schwerer Schlag war für Romrod die Einmischung Hessens in der 7-jährigen Krieg. Die

Unterhaltungen von Truppen ruinierten Romrod noch gründlicher als das dies der 30-jährige Krieg getan hatte. Die weiterenKriege des Napoleonischen Zeitalters sorgten dafür das Romrod weiter ausblutete, viele Familien wanderten nach Ungarn und Amerika aus, und das Schloss verfiel weiter.

Dies änderte sich erst unter Großherzog Ludwig IV. von Hessen welcher 1879 begann das Schloss zu restaurieren. Sein Sohn Großherzog Ernst Ludwig, der letzte hessische Großherzog, vollendete das Werk und gab dem Schloss sein heutiges Aussehen.

In dieser Renaissance des Schlosses weilten im Schloss des öfteren berühmte Personen wie z.B. die Zarenfamilie von Russland (1910), Großfürst Sergius mit Gemahlin, Prinz Heinrich von Preußen oder auch Prinzgemahl Philipp, der Mann der Königin Elisabeth II. von England.

Daran konnte die Revolution des Jahres 1918 nichts ändern. Der inzwischen abgesetzte Großherzog erhielt Schloss Romrod als Abfindung bis zu seinem Lebensende 1937. Zu dieser Glanzzeit war das Schloss gefüllt mit Kunstschätzen aller Art, die bauliche Unterhaltung gesichert.

Das Jahr 1937 wurde wie 1918 ein Schicksalsjahr im hessischen Fürstenhaus. Am 09.Oktober 1937 starb der letzte Großherzog. Am 16.November desselben Jahres flogen die Witwe des Großherzogs, Eleonore, Erbgroßherzog Georg Donatus, seine Gemahlin Prinzessin Cäcilie und deren beide Söhne zu der Hochzeitsfeier des Prinzen Ludwig nach England ab, jedoch stürzte ihr Flugzeug bei Ostende aufgrund von schlechtem Wetter ab. Nach dem Tode der Großherzoglichen Familie ging das Schloss in den Besitz des hessischen Staates über.

In der Zeit des 3. Reiches waren oft NS-Größen wie Göring und Rosenberg zu Staatsjagden in Romrod anwesend. Ungeachtet dessen wurde in die Unterhaltung des Schlosses nichts mehr investiert. Nach 1945 diente das Schloss noch als Wohnstädte von Vertriebenen und als Versammlungsort für die katholische Kirchengemeinde, bis das Gebäude 1970 entgültig geräumt wurde und von diesen Zeitpunkt an vom hessischen Staate dem Verfall preisgegeben wurde.

Wiedererweckt wurde das Schloss aus seinem Dornröschenschlaf durch die DenkmalAkademie, die das Gebäude 1996 erwarb, und es umfassend und aufwendig restaurierte.